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Onleihe – mein Wort

Noch sind die Hüter der reinen deutschen Sprache nicht auf die Barrikaden geklettert, obwohl ihnen das Wort doch schon mal zu Ohren gekommen sein könnte. Onleihe fremdelt nicht, im Gegenteil, für mich fühlt sich das Wort an, als hätte ich schon sehr lange darauf gewartet.

Onleihe  – meine Erwartung

Was habe ich von den Möglichkeiten der Onleihe alles erwartet! Ich saß in Gedanken bequem in meinem Sessel, E-Reader griffbereit und machte mich auf dem Weg zu den neuen, faszinierenden Angeboten der Onleihe-Bibliotheken. Vor meinem geistigen Auge schwebten jetzt nicht mehr die wohlfeilen (nur in dem Sinne wohlfeil, weil kostenlos zum Downloaden angeboten!) Klassiker – obwohl einige davon mir auf dem E-Reader schon große Freude bereitet haben. Nein, ich sah mich schon genussvoll wühlen in „Literatur von Heute“. Große Namen, berühmte und nicht so bekannte Werke, Neuerscheinungen, fremdsprachliche Werke der Gegenwart, kurzum die ganze Palette einer Bibliothek des 21. Jahrhunderts – erreichbar in ganz Deutschland – dies Alles schien mir zum Greifen nah.

Onleihe – meine Wirklichkeit

Aber leider: in meinem Wohnort mit immerhin 500.000 Einwohnern gibt es zwar eine große Bibliothek aber leider noch keine Onleihe. Nun will ich nicht unfair sein. Diese Bibliothek wird momentan unter vielen Anstrengungen neu konzipiert und erbaut und ich hoffe sehr, dass sich das Management nach der Neueröffnung dann auch mit dem Thema Onleihe auseinander setzen wird. Die umliegenden Gemeinden haben sich schon zusammengeschlossen und bieten diesen Service seit Kurzem an. Über die Kosten der Umsetzung dieser Neuentwicklung im Bibliothekswesen hatte ich mir bis jetzt keine Gedanken gemacht, aber dass das Ganze für die Kommunen  nicht zum Nulltarif zu haben ist, ist mir klar.

Onleihe – mein Frust

Online-Bibliotheken in ganz Deutschland, erreichbar von meinem Sessel aus, das war mein Traumgedanke. Wie schnell dieser Traum dann doch herb zu Ende war!

Ich kann nur E-Books ausleihen in der Bücherei in der ich eingeschrieben bin. Jede Buch-Datei ist nur limitiert  – in 2 oder vielleicht 3 Exemplaren – zum Download freigegeben. Sind mehr Interessenten da, kommt man, wie in der guten alten Zeit, auf eine Vormerkliste und wird benachrichtigt, wenn die Datei (wohlgemerkt, eine Datei, die in Prinzip beliebig zu kopieren wäre) wieder verfügbar ist.

Dass es hierbei um den Schutz von Urheberrechten geht, ist natürlich nachvollziehbar. Der unbestritten notwendige  Kopierschutz und eine automatische Begrenzung der Ausleihfrist lassen sich offensichtlich bis jetzt nicht auf anderem Wege realisieren. Und wie wird die Ausstattung der Nicht-wissenschaftlichen-Onleihen mit E-Books sein? Vorwiegend Trivialliteratur? Geht so mein schöner Traum  von Neuen Lesen dahin?!

Adieu – meine Onleihe

vielleicht träume  ich nächstes Jahr mal wieder von dir!

Hinweis für alle, die es noch nicht wissen: so werden ebooks gemacht!

 

Digitalisierer

Diese Grafik wurde erstellt von Wolfgang

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Feedback/Errata

1 Response to Kapitel 4 – Mein Traum von der Onleihe – Johanna

  1. hosi1709 on March 7, 2012 at 8:18 am says:

    Danke Johanna, du beschreibst dieses Angebot der Leihbüchereien so wie ich es auch empfinde: Hier wird versucht eine alte Methode ins Moderne zu übertragen. Leider können Menschen wohl nicht von Erfahrugen lernen, die andere gemacht haben, z.B. die Musikindustrie. Deshalb heißen die Dinger ja auch Erfahrungen, d.h. man muss selbst fahren ;=).

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